Im Zeichen der Energiewende – Gittermastbau weiter- und neu gedacht
Das Energiesystem der Zukunft soll gewährleisten, dass Deutschland bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen und hohem Lebensniveau eine der energieeffizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaften wird. Voraussetzung dafür ist der mittel- bis langfristige Umbau der Energieversorgungsstrukturen: Fast 4000 Kilometer neuer Stromtrassen sind in Planung, weitere etwa 4000 Kilometer vorhandener Stromnetze bedürfen des Ausbaus und der Erneuerung. Entscheidend dafür, dass die Strommasten als tragende Elemente der Trassen die geforderte Stabilität und Haltbarkeit aufweisen, ist neben der Konstruktion vor allem der Schutz vor Korrosionsschäden. Eine Schicht aus Zink verhindert Korrosion und hält die sensiblen Stahlriesen für viele Jahrzehnte funktionstüchtig. Neben Netzbetreibern und Leitungsbauern sind hier auch Unternehmen gefragt, die sich auf den Gittermastbau spezialisiert haben – wie der Gittermastbau Wiegel Parey der Wiegel-Gruppe, der seit Januar 2016 am neuen Standort in Redekin produziert.
Noch vor wenigen Jahren wurde der Strom vornehmlich in leistungsfähigen Kraftwerken dort erzeugt, wo er auch verbraucht wurde. Doch gerade die Produktion erneuerbarer Energien erfolgt in der Bundesrepublik überwiegend dezentral und macht so den Stromtransport über weite Strecken zum Endverbraucher notwendig. Auch der in großen Mengen im Norden erzeugte Strom aus Windenergie muss seinen Weg in die Ballungszentren im Westen und Süden finden.
Das Herstellungsverfahren an sich klingt erst einmal nahezu unspektakulär: Stahlprofile, die sich in Gewicht, Länge und Dicke unterscheiden, werden nach Kundenspezifikationen zugeschnitten, gestanzt und gebohrt. Für den Korrosionsschutz sorgen die folgende Feuerverzinkung und zunehmend eine zusätzliche Farbbeschichtung – das sogenannte Duplex-Verfahren. Damit beträgt die Lebensdauer der Gittermasten circa 70 Jahre bei einem sehr geringen Wartungsaufwand. Die eigentliche Herausforderung liegt aber wie so oft im Detail. Birgit Postrach: „Die einzelnen Bauteile müssen perfekt ineinanderpassen und es darf zu keinen Verwechslungen kommen – Präzision ist hier das A und O. Zur Identifikation und fehlerfreien Zuordnung der Einzelteile zu Mast und Leitung wird jedes einzelne Teil mit einer Kombination aus Zahlen und Buchstaben versehen, wie ein Baukastensystem baustellengerecht verpackt und vor Ort montiert.“
Mit der typischen Bauform – ausgestellte Füße und markante Traversen – ist die Architektur von Stahlgittermasten seit 100 Jahren mehr oder weniger gleich geblieben. Und doch hat sich einiges geändert. Statt genietet werden Gittermaste heute verschraubt, früher wurde nicht feuerverzinkt, heute dagegen auf jeden Fall – oft kombiniert mit einer Farbbeschichtung in dunklem Grün, damit sie sich besser ins Landschaftsbild einfügen. Und natürlich hat sich in Sachen Statik und Berechnungsvorschriften einiges getan, um die Produktqualität und -stabilität zu gewährleisten. Dass das gewohnte Erscheinungsbild sich trotzdem deutlich wandeln könnte, ist auch ein Ergebnis der Energiewende: Als Symbol elektrischen Fortschritts wurde der Strommast damals vor allem in ländlichen Gegenden freudig begrüßt. Heute ist eine seiner wichtigsten Aufgaben, möglichst wenig aufzufallen.
Die sogenannte CompactLine, ein kompaktes Freileitungsdesign mit nur einer Traverse und niedrigeren Masten in schmalerer Trasse, wird in Kürze als Pilotanlage über eine Strecke von zwei Kilometern getestet. Durch die geringere Höhe der Masten müssen die stromführenden Seile stärker gespannt werden, damit sie nicht so weit durchhängen und ausschwingen. Dazu muss das komplette Stromübertragungssystem untersucht und verändert werden: Für die CompactLine werden die Komponenten Strommast, Stromseilaufhängung, die stromleitenden Seile und auch die Erdseile neu entwickelt. Dabei wird auch weiterhin auf Zink als Korrosionsschutz für die Stahlbauteile gesetzt.
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